Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau zu Besuch am Fraunhofer IWKS in Alzenau

Pressemitteilung / 4.6.2019

Kreislaufwirtschaft 4.0 – ein Megatrend für den Maschinen- und Anlagenbau

© Christian Hass

Daniel Horn, wiss. Mitarbeiter in der Abteilung Energiematerialien des Fraunhofer IWKS, erklärt das Recycling von Li-Ionen-Batterien.

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Die Teilnehmer werfen einen Blick auf die intelligente Sortierung von Elektroschrott am Fraunhofer IWKS.

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Prof. Dr. Anke Weidenkaff (Mitte), geschäftsführende Institutsleitung des Fraunhofer IWKS, in der Podiumsdiskussion zu Kreislaufwirtschaft 4.0.

Die Kreislaufwirtschaft ist längst auch für den Maschinen- und Anlagenbau zu einem der Top-Themen geworden. So stand der 5. VDMA Future Business Summit ganz im Zeichen der Kreislaufwirtschaft. Auf dem Fachkongress zur digitalen Kreislaufwirtschaft diskutierten führende Experten aus Industrie und Wissenschaft Zukunftsbilder für das Jahr 2030 und Wege, diese Visionen umzusetzen. Die Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS in Alzenau und Hanau begrüßte die Gäste zum Auftakt der Veranstaltung in ihren Technikumshallen am Standort Alzenau. Dort erfuhren die Teilnehmer innerhalb einer Führung, woran die Forschenden des Fraunhofer IWKS im Sinne der Etablierung einer vollständig geschlossenen Kreislaufwirtschaft forschen. Dabei stellten die Wissenschaftler unter anderem die elektrohydraulische Zerkleinerung mit anschließender automatisierter Sortierung am Beispiel Elektroschrott vor. Ebenfalls wurde die Gewinnung von Hemicellulose aus Lebensmittelrückständen gezeigt, woraus die Forscher am Fraunhofer IWKS Additive für nachhaltige Biokunststoffbeschichtungen herstellen, die nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion stehen. Auch die Themen Leichtbau und Magnetherstellung sowie -recycling standen auf der Agenda.

Nach der praktischen Einführungsveranstaltung folgten am nächsten Tag Fachvorträge, darunter eine Präsentation von Frau Prof. Dr. Anke Weidenkaff, geschäftsführende Institutsleitung des Fraunhofer IWKS. In ihrem Vortrag ging Prof. Weidenkaff auf Potenziale neuer Technologien für eine verbesserte Kreislaufwirtschaft ein. Ein Potenzial, das bisher nur wenig genutzt wird: „Bisher sind erst 14 Prozent der in der Industrie eingesetzten Rohstoffe recycelte Stoffe (Rezyklate). Die Möglichkeiten von Reparatur, Wiederverwendung und Aufbereitung von Materialien werden noch viel zu wenig ausgenutzt“, sagte Prof. Weidenkaff. „Dies gilt insbesondere bei Kunststoffen und Materialverbünden oder Elektronikschrott. Neue Technologien, wie Selbstheilungsprozesse, Entfüge- und Sortierverfahren können entscheidende Verbesserungen bringen. Als Hürden bleiben jedoch fehlende skalierbare Prozesstechnologien, Qualitätsstandards für Sekundärrohstoffe und zu hohe Kosten“, erläuterte Prof. Weidenkaff.

Mit Industrie 4.0 und Big Data entstehen nun vielfältige Möglichkeiten für die Verbesserung der Kreislauffähigkeit von Produkten entlang der Wertschöpfungskette. Etwa bei der Sammlung und Vermarktung von Daten zur Zusammensetzung von Sekundärrohstoffen oder wenn Angebot und Nachfrage über eine automatisierte Markt- und Logistikplattform zusammengeführt werden. „Die Digitalisierung stiftet Anreize für Unternehmen zur Beteiligung und kann Treiber sein. Eine koordinierte Digitalisierungsoffensive könnte alle Player beflügeln: Kaum ein Umweltleitmarkt profitiert so stark von der Digitalisierung wie die Kreislaufwirtschaft –sie kann das entscheidende Instrument zur Verbreitung und Beschleunigung der Kreislaufwirtschaft und zu neuen Chancen durch neue Geschäftsmodelle werden“, analysierte Dr. Eric Maiser, Leiter VDMA Competence Center Future Business.