Seit 1966 rund um die Uhr Wasserrecycling und sauberes Wasser für die Kahl: Besuch einer Kläranlage in Alzenau

Die Recycling-Story des Monats - September 2020

Aktuelles aus der Region / 14. September 2020

Fraunhofer IWKS in der Diskussion über aktuelle Herausforderungen in der Abwasseraufbereitung

© Fraunhofer IWKS
Angeregte Diskussion (v. l. n. r.): Ronja Wagner-Wenz und Prof. Dr. Anke Weidenkaff vom Fraunhofer IWKS, Kläranlagenleiter Stefan Wahler sowie Dr. Gert Homm, ebenfalls Fraunhofer IWKS.

Mit mehr als 19.000 Einwohnern ist auch in Alzenau die städtische Abwasseraufbereitung von zentraler Bedeutung. Im Rahmen einer Führung über die Alzenauer Kläranlage diskutierten Institutsleiterin Prof. Dr. Anke Weidenkaff sowie weitere Mitarbeitende der Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS über den aktuellen Stand sowie zukünftige Herausforderungen für die lokale Ressource Alzenauer Wasser. Die Kläranlage in Alzenau ist für die Forschenden besonders interessant, da nicht nur häusliches Abwasser, sondern auch Abwasser aus einem Krankenhaus und der Industrie hier aufbereitet werden. Kläranlagenleiter Stefan Wahler stellte die einzelnen Aufbereitungsschritte vor und erläuterte aktuelle Herausforderungen, z. B. die Notwendigkeit der stetigen Bereitschaft und Flexibilität für Anpassungen bei möglichen neuen Schadstoffen. Mit der kombinierten biologischen Reinigungsstufe können sowohl Kohlenstoff-, als auch Stickstoffverbindungen abgebaut werden. Mit Hilfe der automatisierten Belüftung kann schnell auf Änderungen in der Abwasserqualität reagiert werden. Die nachgeschaltete Phosphorelimination war für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer IWKS von besonderem Interesse, da genau hier auch ein Schwerpunkt der Forschung im Bereich Bioökonomie liegt. Phosphor ist für die Landwirtschaft ein essenzieller Rohstoff und sollte nicht zuletzt aufgrund der geänderten Abfall- und Klärschlammverordnung zurückgewonnen werden. Ab 2032 müssen laut Verordnung große Kläranlagen Phosphate aus dem Klärschlamm bzw. der Asche zurückgewinnen. Bisherige Technologien dazu sind jedoch chemikalien- und kostenintensiv. In Projekten wie „PRiL – Phosphorrückgewinnung und Entwicklung intelligenter Langzeitdünger“ konnten die Forscher bereits erfolgreich eine neue Technologie als wirtschaftliche und umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen Verfahren aufzeigen. Dabei fokussieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stets den gesamten Stoffkreislauf. So wurde im Projekt beispielsweise auch die Behandlung und Kreislaufführung des Prozesswassers betrachtet.

Im Rahmen der Führung diskutierten die Gäste mit Kläranlagenleiter Stefan Wahler sowie dem Ersten Bürgermeister von Alzenau Stephan Noll auch über weitere aktuelle und zukünftige Herausforderungen in der Abwasseraufbereitung. Hier kristallisierte sich vor allem die Eliminierung von schwer abbaubaren Spurenstoffen wie z. B. Pharmaka oder Pflanzenschutzmittel in einer 4. Reinigungsstufe heraus. In aktuellen Forschungsprojekten werden am Fraunhofer IWKS dazu bereits Versuche mithilfe der elektrochemischen Aufbereitung mittels Diamantelektrode durchgeführt, die sehr vielversprechend sind. Gemeinsam mit lokalen wie nationalen und internationalen Partnern wird hier auch an der Verbesserung der Wirtschaftlichkeit sowie der Skalierung in den industriellen Maßstab der Verfahren geforscht.

Weitere Informationen:

Projekt ElPhoDia

Projekt PRiL

Schadstoffabtrennung und Nährstoffrückgewinnung aus (Prozess-) Abwässern